Und jetzt Alle – Eine Oper

 

Was ist eine Oper? Erhebt uns die Oper in eine andere Welt, in der wir anders erleben, fühlen und denken? Die Bezeichnung „Opera“ (=Werk) hat mit dem Ergebnis von Arbeit zu tun. Das Theaterkollektiv KGI befragt deshalb zusammen mit einer diversen Gruppe von Menschen aus Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr unser Verhältnis zur Arbeit. Sie stellen sich die Frage, wie frei wir in unseren Entscheidungen sind, und wie stark die Gesetze der Arbeitswelt in uns und unsere Körper eingeschrieben sind. Warum empfinden wir Arbeit als identitätsstiftend? Warum fühlen wir uns nur wertvoll, wenn wir arbeiten? In einem Recherche- und Probenprozess fragt die Gruppe nach den Wurzeln unseres berufszentrierten Weltbildes und setzt sich differenziert und kritisch mit Arbeitslust und Arbeitsfrust, Arbeitsmythen und Arbeitshelden, Arbeitslosigkeit und Arbeitswahn auseinander. Aus Erfahrungsberichten der Mitwirkenden hat kgi ein dreiteiliges Opernlibretto verfasst, zu dem Moritz Anthes und Rasmus Nordholt-Frieling die Musik komponieren. Auf diese Weise entsteht mit Unterstützung von Sänger*innen und Musiker*innen des Opern-Ensembles des Gelsenkirchener Musiktheater im Revier eine eigene, neue Oper.

Im Rahmen von Das Symptom der Oper – ein gemeinsames Vorhaben von KGI, Musiktheater im Reviere und Ringlokschuppen Ruhr in 2019 und 2020 – gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

Premiere/Uraufführung am 28. Juni. 2019 am Musiktheater im Revier.

 

Pressestimmen:

„Der Paketbote, der Pilot, der Fabrikarbeiter und die Pflegekraft machen heute Oper. Einfach so, abgekoppelt von klassischen Vorgaben und doch im richtigen Opern-Sinn unterhaltsam, bewegend, bewegt. In tollen, glitzernden Kostümen! Sehr souverän, wie diese Darsteller jetzt hier nach zehn harten Probenwochen stehen, sich Torte auf den Bauch schmieren und die schlimmsten Sätze rezitieren, die ihnen von Arbeitgebern an den Kopf geworfen wurden. „Und jetzt alle!“ zeigt, wie unterhaltsam und wirklichkeitsnah moderne Oper sein kann. Ein echter Geheimtipp!“
(Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Kultur) / Anne Bolsmann)

„Das Immergleiche der Arbeitsmarkt-Logik dekonstruieren sie in den Arien, die sie in dieser knapp 104 minütigen Inszenierung wiederholen. Gemäß dem schönen Heiner Müller-Zitat, das im Begleitheft abgedruckt ist: „Jeder Gesang enthält ein utopisches Moment, antizipiert eine bessere Welt. Wenn alles gesagt ist, werden die Stimmen süß. […]. Es ist die Sprache, mit der den „kleinen Leuten“ das Fürchten gelehrt wird – damit sie arbeiten und morgens wieder aufstehen. Indem KGI diese Sätze in ihrer Groteske aus ihrem brutalen Kontext reißt, weicht auch die Furcht vor diesen Sprechakten. Oder spendet zumindest Trost, wenn zum Ende die Fahnen mit dem Logo des Arbeitsmarktes geschwenkt werden und zum Finale alle ein Wort bibbern, poltern, hauchen oder winseln, das reguläre ArbeitnehmerInnen wie kein anderes fürchten: Montag.“
(trailer-ruhr.de / Trilling, Benjamin)